2020 noch originalverpackt - Ein Jahresrückblick

Veröffentlicht am 31. Dezember 2020 von Hugo Schmidt

Dieses Jahr war für viele ein sehr entbehrungsreiches: keine Spontanität, keine Planbarkeit, der Verlust von Freiheit. Für mich stand und steht noch immer letzteres an erster Stelle. Wenn ich weiß, dass wenig bis nichts passiert, dann erwarte ich auch wenig bis nichts und bin überrascht, wenn doch etwas passiert.


Am 15. März habe ich auf Pause gedrückt. Ideen, die ich im Februar noch hoch motiviert angestoßen und vorbereitet hatte, konnte ich wenige Wochen später erst einmal auf Eis legen. Dafür hatte ich in der vielen Zeit zuhause die Gelegenheit, andere spannende Dinge anzugehen. Ich konnte kreativ sein, konnte mehr schreiben und mehr lesen. Dennoch wurde die vermeintliche Endlosigkeit irgendwann für mich zum Problem.


Ich sage bewusst nicht, dass dieses Jahr für mich komplett schlecht war. Es ist in gewisser Weise lediglich die Geschwindigkeit und die Menge an Dingen, die passiert sind, die mich sehr stören. Ich bin zwar in irgendeine Richtung “voran” gekommen, aber vielleicht nicht in allen Bereichen und auch nicht immer so weit, wie ich es mir gewünscht hätte.


Auch ich bin Teil einer vermeintlich “unverantwortlichen” Generation, der jetzt gerade “die Jugend” gestohlen wird. Ich hatte mir dieses Jahr definitiv anders vorgestellt. Zwar bin ich im Studium wunderbar und ohne Probleme weiter gekommen, jedoch steht mein komplettes restliches Leben seit März still. Ich bin ein Student ohne das klassisch sagenumwobene Studentenleben. Anstatt sich mit Kommilitonen zu treffen, zu reisen oder zu entdecken, sitze ich zuhause. Gleichzeitig schreitet meine Studienzeit voran und ich habe vorraussichtlich noch ein knappes Jahr in meinem Bachelorstudium nach der Impfung. Da kommt die Sorge auf, dass ich Dinge verpasse, die andere in diesem Jahr durchaus, zwar in stark abgeschwächter Form, noch machen konnten und erlebt haben.


Wenn ich im nächsten Jahr geimpft werde, bin ich wieder Teil dieser Gesellschaft. Doch kann ich dann noch die selben Erfahrungen mit den selben Leuten nachholen, die ich in diesem Jahr nicht erleben konnte? Oder muss ich “den Anschluss finden” und da weitermachen, wo die anderen aufgehört haben? Wie auch immer es sein wird, 2021 wird ein Jahr, in dem ich hoffentlich vieles machen kann und werde, was ich 2020 nur als Zaungast auf Instagram beobachten durfte. Es wird ein Jahr, in dem ich vieles nachholen und hoffentlich genauso viel Neues schaffen kann.


Trotz des krassen Stillstandes gab es 2020 definitiv viele Momente, die mich bereichert und inspiriert haben, in denen sehr Schönes passiert ist und ich positiv überrascht wurde: Das Takeover des WWU-Instagram-Accounts zum internationalen Tag für Menschen mit Behinderung, das Entdecken der beeindruckenden Arbeiten von Katrin Bittl, meine eigene Reflektion meines Umgangs mit dem Leben mit Behinderung oder die vielen schönen Momente mit meinen Freunden (digital oder auf Abstand im Garten) und der Familie. Dafür bin ich sehr dankbar.


Zum Ende des Jahres blicke ich, motiviert und inspiriert, mit großer Vorfreude und auch Spannung in das bevorstehende Jahr 2021. Es warten einige spannende Ideen und es sind bereits neue Pläne geschmiedet.